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Dienstag, 12. Dezember 2017, 09:13 Uhr

Der holprige Moderator kommt der Augsburger Puppenkiste nahe

Barbara D.
Kapitel 3

Barbara ist zu früh wach. Viel zu früh. Für ihren Geschmack sowieso. 2 Stunden bevor sie zum Postkasten geht. Das Wälzen von eine auf die andere Seite ist kein Gewinn. Die Billigbrühe Kaffee schmeckt fade. Das SAT.1 Frühstücksfernsehen mit dem holprigen Moderator kommt der Augsburger Puppenkiste nahe. Ähs und Öhs, mehr kriegt der Moderator nicht zusammen. Körperbewegung ist das Beste. Thai Chi im Schlafraum. Ein blöder Zustand überkommt sie. Der Körper ist matt, kraftlos und geschafft von dem Lufttreten. Im Kopf dreht sich der Brummkreisel mit Concorde Überschallgeschwindigkeit. Verbitterung im Herzen durch alte Erfahrungen. Telefonseelsorge ist die Lösung. Hat schon mal geholfen. So nicht. Ordentlich anziehen, erst dann telefonieren. Duschen, schminken, Haare machen. Kornflakes und Billigbrühe. Es sind noch 31 Minuten bis zum Briefkasten. Ist die Postbotin pünkltich? Das wird sie durchhalten! Jetzt ein wenig um den Block ziehen. Zwei Psychopillen in den Sturkopf um den Kreisel anzuhalten. 5 Etagen tiefer im Treppenhauseingang sind die gewalttätigen Schulverweigerer. Jeder für sich alleine, einsam, verstoßen mit Gruppengefühl. Wir sind die „GANG“. Arbeitnehmer, Schwangere und Glückliche erregen in ihr Zorn. Ihre Augen versprühen Gift. Antrieb durch Hass. Turboschritttempo auf Asphalt und Gehwegen.

Zwischen ihren Brüsten, Schenkeln und unter den Armen trieft es nur so. Das Shirt klebt auf dem Rücken. Wie ein Werbebanner mit der Bekenntnis“ Ich bin doof“. Milch, die in den Rachen fließen soll, läuft an ihr herunter bis in die Hose. Sie ist rot und alle Glieder zittern. Der Brummkreisel treibt ins Treppenhaus.

Alle Treppen wieder runter , Brief öffnen. 11.30 Uhr. Glücksspirale, Lotto mit System , Schnitzel billiger als Katzenfutter preist die Supermarktwerbung. Sie braucht ewig bis sie die Wohnung erreicht. Enttäuscht, niedergeschlagen. Hinlegen und schlafen. Wo bin ich, wie spät ist es?? Vormittag oder Abend. Fragen nach dem Aufwachen. Das Schloss der Wohnungstür vom Nachbarn ist zu hören. Also 16.30 Uhr, er hat Feierabend. Bullshit. Jetzt mit Ruhe System herstellen. Tee mit Baldriantropfen. Die Milchklamotten liegen immer noch am Bettrand. Die Wohnung ist ein Trümmerfeld. Ihr ist Übel von dem warmen Getränk. Obst oder Brot für den Magen helfen dann schon mal. Etwas essen, trinken, wer guckt sie schon an. Ob Dick oder Hungerhaken wer gafft sie schon. Weg mit den Glücksboten, Lotto, Glückspirale, Schnitzelsuperschnäppchen alles für Leute mit dicker Patte, richtig Kohle. Briefumschläge öffnen und Freiumschläge rausnehmen und weg mit dem Rest. Ihre Augen sind wie Höhlen, als ein Umschlag vom Baumarkt erscheint. Keine Absage? Dann ist der Umschlag größer, DIN A4. Barbara überfliegt den Text, versteht wenig. Legt alles beiseite und trinkt einen satten Schluck Tee. Erst mal ruhig werden, ruhig werden. Nicht weiterlesen. Der Brummkreisel dreht sich. Die meisten Beziehungen entstehen am Arbeitsplatz. Ihr Herz wärmt sich. Wann sieht sie den Mann ihrer Wünsche. Morgens unter der Bettdecke einen Mann fühlen, herrlich!

Absatz für Absatz, Wort für Wort“ ganz laut lesen“ Sehr geehrte Frau Barbara D., der von Ihnen angestrebte Arbeitsplatz ist in der Zwischenzeit besetzt.“ Tränen schießen ihr in die Augen. Die Nase blutet. Urin ist im Slip, warm. Ein Piepton in den Ohren saust, das ist der Wirbel des sich schneller drehenden Kreisels. Immer bei Stress. Helles Klingeln läutet gegen die Hirnlappen.
Der Baldrian wirkt endlich. Zweiter Absatz“ Wir können Ihnen erfreulicherweise mitteilen, das eine Stelle im Wareneingang zu besetzen ist. Melden Sie bei Frank B.“
Der Klingelton unterbricht den Glöckner von Notre Dame am Kreisel zu drehen.

Das Telefon: „Hier Frank B. Ich erwarte sie morgen früh um 6.00 Uhr in meinem Büro im Wareneingangsbereich“. Mehr kann Barbara nicht aufnehmen. In der Handtasche ist noch
Fahrgeld mehr nicht. Parfum, zwei Uhren, und eine schwarze Brieftasche mit dem Zeichen von Gucci. Etikettiert ohne Kassenbon. Weltmeerduft mit einer Prise Himbeerblüte. Glänzende Zeiger mit Edelsteinen besetzt. Die Brieftasche ist ohne Etikett, aus weichem Leder. Die getrocknete Milch am ihrem Körper stinkt. Waschen, Slip anziehen, Wohnung saubermachen und zur Belohnung in die Brieftasche sehen. Was wird sie morgen anziehen.
Bequemes, Buissnes, Feminines. Das Internet hilft weiter. Was ist überhaupt ihr Job? Kittel
oder Körperbetont? Sie legt 3 Häufchen zurecht, Entscheiden kann wird sie morgen um 4.30 Uhr wenn der Wecker rasselt. Was ist noch zu essen da? Das Brot reicht nur noch für heute abend. Trockene Cornflakes sind zum kotzen. Mit Honig bestreichen. O.K.
Im Fernsehen laufen die Daily Soaps. Horror Gefühlsachterbahnen.

Durch die Gegensprechanlage erkennt sie die Stimme von Rita, kaum zu hören. Türe aufdrücken. Schnell was überziehen und alles verstecken was auf Tischen, Kommoden und Sitzgelegenheiten liegt. Zweimal langt Rita verbal zu: Kleptomanie, Männerbekanntschaften. Voll getroffen! Barbara markiert Magenschmerzen. Die Glückliche mit einem
gutverdienenden Mann und 2 Kindern, Reihenhaus, geht mit guten Ratschlägen zur Wohnungstür und Gott sei Dank heraus. Hinlegen schlafen um morgen früh fit zu sein.

Was ist meine Aufgabe im Wareneingang. Tee/Baldrian trinken schlafen. 22.15Uhr durst/ was ziehe ich an. 4.15 Uhr erwachen aus einem Alptraum.“ Der letzte Arbeitgeber hat Luftbuchungen festgestellt und ihr die freiwillige Kündigung nahegelegt“ Hat sich Katrin,
die Personalchefin des Baumarktes, bei ihrem früheren Arbeitgeber erkundigt?

Der BH mit kleinen Rosen aus Spitze ist von Triumph.

Barbara D.

Kapitel 2

Für wen ist wohl das Geschenk? Das sie von der einen in die andere Ecke tragen soll. Schwer ist es nicht. Vielleicht 15 kg!

Eigenartiger Einstellungstest im Baumarkt. Ob Katrin vom Personalbüro sich das alleine ausdenkt? Der Typ Katrin sagte ihr was.

Diese ungehaltene Aggressivität in ihren Augen. Ballerinas von Esprit, ein Kenny S. Kostüm. Der BH mit kleinen Rosen aus Spitze ist von Triumph. Als Katrin seitlich zu ihr steht sieht sie ihr Profil, kurze Stupsnase, kleine Ohren, Sommersprossen, ovale Form,voller Hals und Busen C bis DD ordentlich angeordnet in Rosen.

Etwa so groß wie sie, wenn sie aus ihren 8cm hohen Pumps
steigt. Das Parfüm liegt im ganzen Raum auf Nasenhöhe. Der Duft, den sie kennt und sich niemals leisten kann 'HYNOSE LANCOME for women'
. Die Bilder auf den vielen Staffeleien um ihren Schreibtisch sind von Lucian Freud, dem Neffen von Sigmund Freud. Sigmund beschreibt in seinen Werken der Psychoanalyse das Frauenbild. Das bis heute nicht vollständig ist. Menschen, die Lucian malte sind Schattenfacetten. Jetzt nennt man das 256 Graustufen. Das er auch seine Töchter als Aktmodels auf Leinwand öffentlich ausstellte, liegt wohl an dem Einfluss seines Onkels. Ödipuskomplex ist die Bezeichnung dafür. Auch Sigmund hat seine Kinder analysiert, bis sie verstört waren.

Gespannt wartet sie seit Tagen auf die Post vom Baumarkt. Jedesmal wenn es vor 8.00 Uhr klingelt wird ihr ganz warm in der Brust.

Mein Leben ist ein Drama

Babara D.

Kapitel 1

Barbara hat nach dem Abitur Mathematik studiert. Sie wollte immer Gerichtsmedizin studieren und trägt sich für Fächer ein, die für den Papst bestimmt sind, Sozialpädagogik und Geschichte. Zwei Fächer von denen sie dachte, dass sie dafür nichts tun musste. Kind lass es sein! Geschichte hatte sie früher schon ausprobiert, in der Volkshochschule. Beides Fächer, für die sie etwas hätte tun müssen und das mag sie eigentlich gar nicht. Nicht, dass sie für die anderen Fächer nichts hätte tun müssen, aber es wäre ihr leichter gefallen. Nach einem Monat des Studiums bot ihr die Baustofffirma, für die sie bisher nebenbei gearbeitet hat, einen Ausbildungsplatz als Industriekauffrau an. Barbara hat dann irgendeine Bewerbung zusammen gehauen und den Ausbildungsplatz bekommen. Danach hat sie überall erzählt, sie hätte ein Studium ausprobiert und das es nichts ist. Ich glaub sie war einmal in einem Vorlesungsraum. Nun ist sie Industriekauffrau. Thai Chi ist ihre Leidenschaft. Chinesisches Schattenboxen. Optimale Körperbeherrschung in Zeitlupe.

Katastrophen

Pascal

werde ich genannt. Nach irgendeinem früheren Ganoven aus unserer Gegend.

4 Uhr morgens. Die dritte Filterzigarette. Drei Navis, ein Autoradio und 210¤ liegen vor mir. Ob es eine gute Nacht war wird sich beim Hehler zeigen. Noch 5 dieser Nächte bis zum Monatsende. Es knarrt. Meine halbgeschlossenen Augen öffnen sich wie Dachluken. Schnell die Sachen unters Bett. Noch ne Zigarette. Das Knarren kommt nicht wieder. Ich schlafe bis Mittags. Pizza Essen und Richter Alexander Holdt in der Glotze ansehen. Irgendwann sitze ich auch da auf der Anklagebank. Die Chips vom Vortag sind trocken. Zwei Kaffee und auf die Nacht warten. Heute wird es mehr, ich glaube daran.

Mein Ausbilder in der Werkstatt sagte immer..............

Was solls lebt er etwa mein Leben?

Sein Leben war überschaubar. Frau, 2 Kinder, Dachwohnung, fester Job.