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Dienstag, 12. Dezember 2017, 09:06 Uhr

BenQ Siemens Mitarbeiter stören Theater Vorstellung

Der Kommentar von Katrin G.

Kein Vorhang hebt sich, nur ein schmales Leuchtband gibt die gespenstische Szene frei. Über die Bühne flackern schwarz-weiß tausende Gesichter, die einer anderen Zeit angehören: Hungernde Massen, schlecht gekleidet, mit ernsten, fremden Gesichtern. Zwischen den Bildern schiebt sich eine Figur auf die Bühne, lautlos, im langen weißen Mantel und weißem Hut, einem Gespenst nicht unähnlich. Ein Gespenst, das wiederkehrt? Brecht schrieb die „Heilige Johanna“ unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise Ende der zwanziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts.

Die weiße Figur ist Pierpont Mauler, ein Fleischfabrikant, der, als er einen Ochsen sterben sieht, plötzlich sein Mitleid für die Kreatur entdeckt. So steigt er aus dem Fleischgeschäft aus und später, als er seinen Mitleidsanfall überwunden hat, wieder ein und macht dabei noch guten Profit. Dennoch ist der Erzkapitalist mit dem zeitweise weichen Herzen, dargestellt von Michael Witte, eine interessante, ambivalente Figur. Einer, der ein bisschen so ist wie wir alle: die direkte Konfrontation mit dem Elend oder auch dem Mut und der Naivität Johannas erschreckt ihn und löst quälende Schuldgefühle aus. Aber das dauert nicht lange: bald ißt er wieder Fleisch und grinst über den erzielten Gewinn, statt über den Tod der Heldin zu weinen.

Das Gespenst Mauler hat einen dämonischen Helfer, der humpelt und auch sonst an den Geist, der stets verneint, erinnert. Der Makler Slift soll Johanna von der moralischen Verderbtheit der Arbeiter in den Schlachthöfen überzeugen und tatsächlich: die Armen, die sie treffen, sind alles andere als Engel. Faulpelze, niedriges Pack, Abschaum seien sie, sagt Slift. Sie soll sehen, „wie schlecht die sind, mit denen Du Mitleid hast und wie fehl es am Platz ist.“ Und tatsächlich ist es sonderbar, wie nah die alten Geistern hier den neuen kommen (oder sind es dieselben?): Brecht zeigt den Ekel einer Oberschicht, die keine Moral besitzt, vor der Unmoral der Armen. Sicher unterscheiden sich die Gesichter der heutigen „Arbeitssuchenden“ wesentlich von denen, die da als schwarzweiße Erinnerung über die Bühne flackern. Hungernde Massen sind in Deutschland in nächster Zeit nicht zu befürchten. Aber selbst das wird unseren Armen ja oft übel genommen, wir hören es täglich: richtige Armut sei das wohl nicht, wenn das Sozialamt, pardon, die Arge, den Fernseher bezahle. Den Leuten gehe es wohl nicht schlecht genug, man müsse die Leistungen kürzen, damit die Menschen wieder Interesse entwickelten zu arbeiten usw. in einer Stadt wie Duisburg mit einer der höchsten Arbeitslosenzahlen in der Region, klingt das wie Hohn. Alles nur Faulheit? Das hat etwas vom Calvinistischen Weltbild, das den Erfolgreichen für erfolgreich hält, weil er als guter Mensch von Gott geliebt und beschenkt wird, während der Arme…“Die Armen sind nicht besser weil sie arm sind“ und“ woher sollen sie denn eine Moral haben, wenn sie sonst nichts haben“ setzt Johanna dagegen.


Kurz nach Beginn der Vorstellung wird ein Sarg hereingetragen: Mitarbeiter von BenQ aus Kamp-Lintfort verlesen eine Stellungnahme zur „Freisetzung“ von 1000 Kollegen. Das Publikum applaudiert, bis der letzte Ex BenQler den Saal verlassen hat. „Ex-Mitarbeiter von BenQ stören Vorstellung“ berichtet der Focus am Samstag nach der Premiere. Als „Störung“, (nein, wie unverschämt, dieses Pack), kann man die Unterbrechung der Vorstellung durch die Mitarbeiter von BenQ/Siemens, die mit dem Theater abgesprochen war, wohl kaum bezeichnen. Eher als Akzent, der die Aktualität des Stückes hervorhebt, als gut eingebauten aktuellen Kommentar. Leider bleibt es auch der einzige Bezug auf die heutige Situation, den Rest überlässt die Inszenierung der Wirkung der Worte und der Interpretation des Zuschauers. Den schwarz weißen Bildern werden keine aktuellen gegenübergestellt, aber zugegeben, welche auch, wer filmt die Schlangen in den auf schick umbenannten „Agenturen für Arbeit?“ Auch die Kostüme sind zwar reduziert, aber doch eindeutig historisch und die Bilder der frierenden und hungernden Schlachthofarbeiter erinnern an „les Miserables“.

Das komplexe wirtschaftliche Spiel des Stücks ist manchmal schwer nachzuvollziehen und wird deshalb im Programmheft erklärt. Auch eine Lösung, den komplizierten Stoff zugänglich zu machen. Wünschenswert wäre es aber gerade für den zweiten Teil gewesen, die Schauspieler ein bisschen langsamer sprechen zu lassen, auch das hätte dem Verständnis aufhelfen können.

Das Stück lässt den Zuschauer ein wenig ratlos zurück: wir sind zwar nicht tot wie die heilige Johanna (die lange stirbt, man fragt sich, wie in der Oper, wann sie’s geschafft hat) aber wir wissen auch nur wenig mehr. Gerade daran erinnern aber die schönen Bilder vom bösen Spiel: die alten Fragen sind nicht beantwortet, einfache Lösungen gibt es nicht.

Live Mitschnitt

EUROPEAN ROUTE OF INDUSTRIAL HERITAGE

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Levant Mine Pendeen

Ein Kommentar dazu von Katrin G.

Was hat die Industriekultur mit Industrie zu tun? Ist die Kultur, die hier gemeint ist, die Kultur der Arbeit? Werden Menschen und ihre Leistungen gewürdigt? Oder sieht diese Kultur sich im Gegensatz zur Arbeit, die schmutzig macht, körperlich erschöpft und nicht gut aussieht, keine gewählten Reden schwingt? Feiert die Industriekultur die ungeheueren Leistungen von Millionen von Menschen, die mit ihrer Arbeitskraft eine ländliche Region im Westen Deutschlands in die größte Stadt verwandelt, Imperien aufgebaut und riesige Wirtschaftskraft erzeugt haben? Oder feiert sie sich selbst, als ?Veranstaltungslocation? in der ?Events? stattfinden, in der die Realität des Ruhrgebiets nicht vorkommt? Arbeiter sind noch weniger schick als harte Arbeit, noch schlimmer steht es um Arbeitslose. Wie geht die Kultur, die die aussterbende Industrie feiert, mit den Menschen um, die der Wandel vergisst, die in der Vergnügungskultur keinen (Arbeits-) Platz finden? Der Gasometer in Oberhausen fasziniert. Aber er ist mehr als ein zweifellos beeindruckendes Gebäude von gewaltigen Ausmaßen, dessen Aussichtsplattform einen eindrucksvollen Blick über das ?grüne? Ruhrgebiet gewährt. Teil der Faszination ist gerade, das er nicht als Veranstaltungstempel gebaut worden ist, sondern als Gasbehälter. Das er Teil einer Welt war, die stirbt, einer Welt harter körperlicher Arbeit, in der Menschen verbraucht wurden.

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Gladstone Pottery Musseem

Nimmt man der ?Industriekultur? diesen Teil ihrer Geschichte, nimmt man ihr einen Teil ihrer Faszination. Und vergisst diejenigen, ohne die es alles das nicht gäbe. Der von der Natur überwucherte Landschaftspark Nord in Duisburg entrückt den Hochofen der Realität. Er wird zu einer romantischen Ruine gleich einer Ritterburg. Eine Sage aus ferner Zeit, in der das Leben härter war als heute. ?So sah es in jenem Moment aus, ist der Anblick nicht schön?? frei nach Shakespeare.

Kultur und ?Events? werden nicht für die wenigen verbliebenen Arbeiter oder gar die Massen von Arbeitslosen gemacht, die die Industrie(kultur) zurücklässt. Im Gegenteil, das Ruhrgebiet wird schick und vergisst seine Kinder. Der Aufbruch in die neue Zeit, auch Strukturwandel genannt, soll neue Arbeit schaffen. Aber die alte nimmt er nicht ernst. So feiert eine neue (kleine) Mittelschicht an Orten, an denen die Basis für ihren Wohlstand erarbeitet wurde. Wie das geschah, wollen wir lieber nicht sehen. Die Zeit der goldenen Uhren ist vorbei. Stattdessen wird der hunderttausendste Besucher gefeiert und bekommt ein kleines Präsent. Die Medien sind zur Stelle und verleihen dem ?Ereignis? Glanz und Gloria. Der hunderttausendste ?Arbeitssuchende? war kein entsprechendes Ereignis. Zur Feier des Gasometers als Stützpunkt des ERIH (European Route of Industrial Heritage) wird der Kulturdezernent eingeladen, aber kein ?Zeitzeuge?, keiner der Männer, die den Gasometer noch als Arbeitstätte kannten und tatsächlich das Erbe (Heritage) weitergeben könnten.

europäscher-Weg-der-Iindustriekultur

BMW Kurzfilme- Sei mutig. Mach es kurz.

Die Verleihung in der Kraftzentrale ist eine gute Werbung.
Für den deutschen Film, BMW und Deutschland! Harte Arbeit der Jungfilmer begleitet von erfahrenen Schauspielern und bezahlt von einem großen Autowerk.
Die Kraftzentrale ist ein ehem. Werksgebäude im Nordpark Duisburg.

Diese Filme sind die Gewinner des BMW Award (Auszeichnung) 2006

Fahrgemeinschaft. Die Beziehung ist festgefahren. Sophie und Alex machen ein Experiment. Ob es gelingt bleibt offen!

Anna, Frau. Das "erste Mal" im Leben. Ein Teenager, wird zur "Frau". Beschwingt sind die ersten Schritte.

von Sarah Grohnert


Die Frau vom vierten Foto unten rechts. Passfotos vom Automaten im Bahnhof,haben schon viele überrascht. Roman hat als viertes Foto ein Frauengesicht. Er sieht sie zum Bahnsteig gehen und läuft ihr nach. Sie entreisst im das Foto und verschwindet in der S-Bahn. Eine Begegnung ohne glückliches Ende.

von Andreas Pieper.


Miriam Pielhau, Jan Josef Liefers, Florion Gallenberger mit den Gewinnern und wichtigen Leuten. >>>>>>>

Feuer Licht Himmel

Feuer Licht Himmel

Zwei Dauerausstellungen

Unter dem Titel Feuer Licht Himmel sind im Gasometer Oberhausen zwei Dauerausstellungen zu sehen.
Im oberen gigantischen, über 100m hohen Innenraum beherbergt das Industriedenkmal die eindrucksvolle Licht-Klang-Installation Licht Himmel der international bekannten Berliner Künstlerin Christina Kubisch.
Im Erdgeschoss ist eine dokumentarische Ausstellung zur Geschichte des Gasometers vom Gasspeicher zur Kunsthalle zu sehen.

Einige Bilder werden durch klicken sichtbar:

Himmlisches in der Tonne klicken

original Töne und das Interview mit der Künstlerin werden am 10.04.06 gesendet und sind im Kalender. eingetragen.

Hier sind die Fragen an die Künstlerin.............bitte weiterlesen.................


African Gala

Das Teilskript mit Adrian und Pascal beinhaltet nur die Fragen von taftgel Georg

Antworten wurden über den Äther - im März - ausgetrahlt.

Trance, Hypnose ein Weg der Erkenntnis?

Vieles ist ganz tief im Gehirn eingegraben. Auch die Auslöser von guten und schlechten Gefühlen. Ist Trance ein Weg der Erkenntnis?
NLP Trainer Julian Wolf und Selbsthypnose-Lehrer Markus Wollschläger http://www.selbsthypnose-workshop.de



Fälschungen Plagiate in der Musik

Henning Schmidtke ist Plagiaten derSchlagerbranche auf der Spur. Quer durch alle Nationen dieser Welt.
Henning Schmidtke, kelvinmail@web.de,
http://www.musikpolizei.com