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Dienstag, 12. Dezember 2017, 09:18 Uhr

Tipp " Mord aus Langeweile"

DER KICK
von Andres Veiel und Gesine Schmidt


Sendetermin: 15.01.2007 um 20.OO Uhr Wo? bttte klicken


"Potzlow ist ein ganz normales Dorf."

Im Juli 2002 misshandeln die Brüder Marco und Marcel Schönfeld und ihr Freund Sebastian Fink den 16-jährigen Marinus Schöberl. Täter und Opfer kennen sich, sie kommen aus Potzlow, einem Dorf in der Nähe von Berlin. Die Täter quälen ihr Opfer über Stunden hinweg und in einem Schweinestall kommt es dann zum Äußersten: Marinus wird regelrecht hingerichtet. Erst Monate später werden die Überreste des Opfers in einer Jauchegrube entdeckt. Wie konnte es nur soweit kommen? Die Protokolle des Stückes beruhen auf einer wahren Begebenheit. Regisseur Andres Veiel (Filme: "Black Box BRD", "Die Spielwütigen") und Dramaturgin Gesine Schmidt haben sich auf die Spurensuche nach Potzlow begeben. Sie sprachen dort mit Tätern, Dorfbewohnern, Angehörigen und Freunden von Tätern und Opfer, sie studierten Akten, Plädoyers und Verhörprotokolle. Es entstand ein dokumentarisches Zeugnis eines Verbrechens, denn, so Veiel, "durch diese besondere Art der Darstellung entsteht Distanz". Nur so ist es möglich, sich mit dem Unfassbaren auseinanderzusetzen.

Ab ca. 16 Jahren geeignet

Inszenierung: Jan Langenheim
Ausstattung: Barbara Rückert
Musik: Roderik Vanderstraeten

Mit: Franziska Weber, Franziska Werner; Neven Nöthig, Josef Simon

Das Studio 99 heißt jetzt Tip. (umbenannt vor der Rechtschreibreform) Heute wird Tipp geschrieben.
Der Name Studio 99 ist den Oberhausenern bekannt wegen der Brandschutzordung. Die besagt, dass bis 99 Sitzplätze nur ein Brandschutzbeauftragter bzw. Sanitäter anwesend sein muss.
Nun zum Sonntagabend:
taftgel Georg wurde begleitet von Bary und Cary zwei 15 bald 16 jährigen Schülerinnnen
Als Dokumentartheater läuft das Stück KICK. Im Saal stehen sich die Stuhlreihen gegenüber.
Auf der einen Seite sitzen Besucher, auf der anderen die vier Schauspieler. Frontal von Angesicht zu Angesicht. Dokumente werden vorgelesen. Erst nach und nach wird klar, wer in welcher Rolle ist. Das karge Bühnebild gibt dem gesprochenen Wort volle Aufmerksamkeit. Die Schauspieler wechseln in andere Rollen. Die Richterin in eine Mutter des Mörders.Der Mörder in die des Bruders. Die Freundin der Ermordeten in? Der Anzugträger spricht die Erlebnisse einer alten Frau. Die Kleidung ist Unisex.Einzelheiten des dramatischen Mordes an dem Jungendlichen rühren tief. Wiederholungen lassen den Zuschauer aus der grausamen Handlung nicht heraus. Vieles wird vorstellbar. Innere Verrohung ist sichtbar als der Anzugträger, der nun keine alte Frau mehr ist, mit dem Kopf vor die Wand rennt, immer wieder und als die Vernehmungsbeamtin, nun Mutter eines Mörders, die Stühle durch die Luft wirft.
Brutalität eines bestialischen Mordes mit Stühlen und dem Wort in den Zuschauer gebohrt, der inzwischen Zeuge einer Dokumentation ist. Ohne Gewalt und von aussen betrachtet, ist keine Regung notwendig, nur das Staunen, das dies überall passieren kann und passiert. Gut gemeinte Beileidbekundungen, Trost und Anteilnahme von Verantwortlichen werden dargestellt als das was sie sind Phrasen. Phrasen werden jedoch nicht gedroschen. Die Politiker vom Rednerpult gestossen. Verbitterung überall. Bei den Eltern der Mörder, des Ermordeten, Freunden und dem Rest des Dorfes und der Welt. Normalität muss zu Ablenkung her. Maitanz, Erntedankfest. Es wird tanzend verdrängt, was nicht in den Tagesrhythmus passt. Und doch ist der Trieb da. Bei jedem, der aus Langeweile nur mal so Szenen aus einen Film nachspielt. Aktion mit Konsequenzen. Mord in einem Dorf, Heute schon ein Dokumentartheater und Kinofilm. Auch das Morgen lässt Potzlow nicht ruhen.
Dieser Tip ist ein echter Tipp
Livemitschnitte von KICK
Josef Simon als Marco Schönfeld einem Mörder
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Franziska Weber als Vernehmungsbeamte verliest das Protokoll [loudbot: id="100" rel="enclosure"]

Grausamer Tathergang geschildert von Franziska Weber und Neven Nöthig
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Im Falstaff, Theater Kneipe, Gespräch mit den Schauspielern: Neven Nöthig, Josef Simon, Franziska Weber, Franziska Werner und Jan Langenheim (Inszenierung).

Neven Nöthig

Josef Simon

Fanziska Weber

Jan Langenheim

Franziska Werner
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und Timm Gorissen, einem Besucher imFoyer
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Der Kommentar von Bery
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TIP heisst "Theater im Pott", das erzählte mir heute die Presssprecherin ,Maria Hilber, vom Theater Oberhausen. 15.11.06
Vielen Dank für diese Info,
taftgel Georg














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