Zögling Törleß
Die Verwirrungen des Zöglings Törleß
Programmtext: Theater Oberhausen Wie leicht überschreitet man die Grenze zwischen der scheinbar soliden,alltäglich geordneten Welt und einer geheimnisvoll-irrationalen Sphäre, in der Gewalt und Grausamkeit herrschen?
In einem Internat wird der Schüler Basini von seinen Mitschülern Beineberg und Reiting grausam gequält. Ihr Mitschüler Törleß beteiligt sich halbherzig. Ihn treibt Neugier: Was geht in Basini vor, während er erniedrigt wird? In der verwirrendenErfahrung des jungen Törleß liegen alltägliche Welt und das verboten-pervers Grausame so nah beieinander wie Klassenzimmer und geheime rote Dachkammer, in der sich die Jungen zu den sadistischen Experimenten treffen. Musil gelang mit seinem Erstlingswerk eine subtil psychologische Pubertätsstudie, zugleich ist der Roman eine Auseinandersetzungmit der Faszination von Gewalt und deutet, 1906 erschienen, den nahenden Faschismus voraus.Regisseur Roland Spohr geht mit seinem Kameramann Friedrich Schönig wieder auf eine theatralisch-filmische Reise in dieGefühlswelten der Protagonisten begeben. Mit dabei: der Bochumer Musiker Karsten Riedel.

Auszug aus dem Pressegespräch
Roland Spohr beschreibt das Internat als Militär Akademie der wohl begüterten Familien.An dem Diebstahl, Missbrauch, Macht, Demütigungen, Vergewaltigungen aus Neugierde ohne gefestigtes moralisches Konzept,
16-17 jährige, probieren. Willfährige Vollstrecker die ihre Ethik selbst schneidern.Simone Kranz, Dramaturgie:
Es spielt im hochintelligentem Judenmilieu. Jugendliche testen wie sich Basini, der Gequälte, verhält wenn sie ihre nicht seine Gefühle abtöten? Empathie fehlt oder wird benutzt! Roland Spohr:
Törleß macht sich schuldig indem er nicht verhindert. Reiting ist ein unmoralischer Wissenschaftler...
Der Rausch von gebildeten, vermögenden Jugendlichen wird als Schauerstück in dem Roman beschrieben.
6 Wochen wurde geprobt. Die Spieldauer beträgt 1 Stunde 40Minuten.

Die Bühne hat zwei Nischen und einen Freiraum. Die vier Darsteller im weißen Outfit derfrühen 1980iger Jahren.
menschlicher Müll. Benzin wird über ihn geschüttet. Törleß soll ihn anzünden....
Fragen an die Dramaturgien Simone Kranz

Bildrechte der 3 Bilder Theater Oberhausen /Klaus Fröhlich
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Im Theater an der Ruhr in Mülheim hatte das Stück einige zuvor Tage Premiere.
Programmtext: Theater an der Ruhr in Mülheim
Törleß, der überempfindsame Jüngling, der distanzierte Grübler, der sich in Selbstbeobachtungen zwischen Schein und Sein verliert, wird vom beobachtenden Mitläufer zum Täter. Auch mehr als 100 Jahre nach dem Erscheinen des Romans von Robert Musil sind seine Themen hoch aktuell: Es wird das Bild einer Jugend entworfen, die zwischen Kälte und Romantik, Rationalität und Rausch, Realität und Virtualität chargiert. Ein Bild schauerlicher Modernität, wie es gegenwärtiger kaum sein könnte.Im Zentrum dieser Bühnenadaption steht nicht die äußere Handlung, die Geschichte der Internatsschüler, die einen Mitschüler physisch und psychisch foltern, sondern die Wahrnehmung zweier Welten. Die Empfindung einer anderen Wirklichkeit, die sich von der empirischen Welt unterscheidet, einer dunklen, geheimnisvollen Welt voller Abgründe, zieht auch das Bild vom ICH in Zweifel. Die Bühne wird dabei zum Laufsteg fiebriger Selbstbehauptung.Musil, der seinen Prosatext 1906 als 26-jähriger schrieb, zeichnet das Erwachsenwerden als fiebrigen Rausch zwischen erwachender Sexualität, verwirrender Selbstfindung und der berauschenden Erfahrung der Macht. Die Gruppenmechanismen in der Klasse - Bündnisse, Rivalitäten, Positionskämpfe – nehmen die Erwachsenenwelt, die noch vor ihnen liegt, vorweg.
Die Premiere:
2 Stunden verbale Gewalt ohne aggressive Stimmung mit einem spärlichem Bühnenbild.Die Tiefe der Bühne, am Ende auf einer Leinwand Bilder manchmal ein kurzer Film.
Die Kleidung Khaki, Karo hohe Schuhe der Jugendlichen, schulterlanges Haar.
Bozena, die Prostituierte plaudert den Gesellschaftsspiegel.
Ein Film im hinteren Teil der Bühne zeigt einen Hauseingang.
Manchmal stoppt der Film und wird zum Bild. Sah es so Anfang des 20. Jahrhundert aus?
Reitingr fordert von Basini Gefolgschaft. Er schuldet ihm Geld.
Obszöne Gesten werden angedeutet. „Jede Schulklasse ist ein Staat für sich,
Führen und Folgen“, spricht Reiting, und rechtfertigt so seine Handlungen.
Basini wird durch die Qual zum geduldigen Esel. Bis dahin wirkt alles abstrakt.
Törleß in Kleinkindpose mit der Dirne, die ihn an seine Mutter erinnert. Laufende Landschaften und Monologe der Dirne.
Die drei Jugendlichen planen weitere Demütigungen und Erniedrigungen für Basini.
Beineberg wechselt vom Realen zum Übersinnlichen. Das Bühnenbild ist karg.
Waschtopf, kleine Couch und fünf Protagonisten.
Basini zuletzt in Unterhose, wird durch Törleß verhört. Schlußakt durch eintönige Ansprache.
Das Publikum verpasst das Ende.
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